Der Segelclub Sturmvogel e.V. Magdeburg wurde 1911 als Arbeitersportverein für die Sportarten rudern und schwimmen gegründet. In den zwanziger Jahren kamen die ersten Segelboote und es wurde in Magdeburg-Salbke ein Vereinshaus gebaut. Einige Jahre später kamen eine Bootshalle und eine Steganlage in Kirchmöser dazu.

Wir sind ein recht kleiner und traditionsreicher Verein mit einer überschaubaren Anzahl an Mitgliedern. Bei uns kann jeder der möchte seine Freizeit und seine individuellen Wassersportmöglichkeiten nutzen. Die Kosten dafür sind bei uns bezahlbar.

Der Segelclub Sturmvogel e.V. Magdeburg steht nicht im Zusammenhang mit dem Sturmvogel – deutscher Jugendbund aus Hamburg.

GeschwaderfahrtGeschwaderfahrt 2011


Chronik des SC Sturmvogel e.V. Magdeburg

(Niedergeschrieben im Jahr 1996)

Das hier Niedergeschriebene erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Es ist der Versuch, die Geschichte des Vereins, soweit wie möglich, aufzuarbeiten.

Auf der Welt wird es immer Menschen mit gleichen Ideen und Zielen geben In Deutschland entwickelten sich in verschiedenen Gebieten fast gleichzeitig Interessengemeinschaften für den Wassersport. Im Jahre 1899 war der erste Versuch, eine Vereinigung zur Veranstaltung von Segelwettfahrten zu gründen, gescheitert.
Das Jahr 1901 bescherte den Berlinern eine erfolgreiche Gründung durch die schon bestehenden Vereine SC Fraternitas und der Freien Vereinigung der Tourensegler Grünau.
Hier entstand der Grundstein des Freien Segler Verbandes (FSV).

In unseren Breiten regte sich natürlich auch wassersportliches Leben.

SC Sturmvogel 20er Jahre

Im Text eines Buches, vom Verlag des Freien Segler Verbandes Berlin heißt es über den Wassersportclub Sturmvogel e.V. Magdeburg S-O:

"Bei der Gründung des Vereins im Jahre 1911 (genau 11.07. d. Red.) durch 10 Sportgenossen war das Tätigkeitsgebiet Schwimmen und Paddeln.
Der Krieg verhinderte das Wachsen des Clubs.
1919 erfolgte der Anschluß an den damaligen Arbeiter-Wassersport-Verband. 1920 zählte der Sturmvogel 130 Mitglieder, die dann infolge der Verschrottung der Badeanstalt Elbbuhne (jetzige Slipanlage, d. Red.) nicht gehalten werden konnte.
15 Mitglieder hielten zusammen und faßten den Plan, den Segelsport zu betreiben. Ein Bootshaus in der Größe 3 x 3 m wurde errichtet. 1924 stand das erste selbstgebaute Segelboot im Wasser, ein Jahr später folgten zwei 20 m² Wanderjollen."

Weiter ist uns bekannt, daß dieses kleine Bootshaus natürlich für die Unterbringung des Materials nicht mehr ausreichte.
Daraufhin wurde Gelände gepachtet und ein größeres Bootshaus gebaut. Zur damaligen Zeit war den Seglern selbstverständlich auch bekannt, daß die Elbe ab und zu Hochwasser führt und entsprechend wurde das Bootshaus auf Pfeiler gesetzt.

SC Sturmvogel Bootshaus bei Hochwasser

Am 1. Januar 1929 kam es zum Anschluß des SC Sturmvogel an den FSV. Als vornehmste Aufgabe des Sturmvogel galt es, für den Freien-Segler-Verbandes zu wirken.
Der Vorstandsvorsitzende war Karl Fiebig, welcher sein Amt bis Ende des II. Weltkrieges inne hatte.
Außer dem SC Sturmvogel fanden noch viele Vereine den Weg in den FSV. So zum Beispiel ein Klub "Nord-West" e.V. Brandenburg, der um die Jahrhundertwende durch die Bauweise seiner Boote berechtigtes Aufsehen erregte. So waren diese Boote aus einem Gerippe aus Holz erbaut, das mit Sackleinwand bezogen und mit einer hundertfachen Schicht Zeitungspapier beklebt wurde. Man muß sich vorstellen, das diese Boote nun den Regenschauern und -stürmen standhalten mussten.

SC Sturmvogel Schwimmsteg in der Elbe

Im Jahre 1933, dem Verbot des Arbeitersports, starteten die Magdeburger Segelfreunde (ein Verein von bürgerlichen Seglern u.a. [d. Red.]) den Versuch, sich den Arbeitersportverein Sturmvogel  einzuverleiben. Durch den Anschluß an den MTV (Magdeburger Turnverein) Germania Salbke wurde dieses jedoch abgewehrt und die Selbstständigkeit war in der alten Form gerettet. Die Segler durften im und mit dem MTV Germania Salbke ihr Eigenleben in guter Harmonie weiterführen.

Nach 1945 wurden die bürgerlichen Vereine aufgelöst. Deren Bootshaus wurde abgerissen und stand den damaligen Oberliga-Handballern von Lok SO, deren Fußballspielern sowie den Hand- und Fußballspielern der BSG Chemie zum Umkleiden und Duschen zur Verfügung. Damals wie heute wird dort auch Bier ausgeschenkt und der Sportplatz wird von verschiedenen Vereinen genutzt.
Die Nachkriegszeit war eine schwere Zeit.
Viele Sportfreunde kamen mit schweren Verletzungen zurück, einige bezahlten den Wahnsinnskrieg mit ihrem Leben.
Die mit mit der Neubildung der BSG'en beschäftigten Sportfreunde und ihre Liebe zum Wassersport hat sie allen Kummer und die Mühen vergessen lassen.

Durch die beginnende neue Zeit einer demokratischen Entwicklung und die Konzentration der industriellen Großbetriebe war es möglich, daß die volkseigenen Betriebe auch ihre Sportvereine in vielerlei Hinsicht unterstützten. Es wurde erst die BSG Lok, daraus später die BSG Chemie gegründet, in denen sich viele Sektionen entwickelten.

Unser Stander mit den grün-roten Farben, inmitten eines weißen Rettungsringes das St, war weiterhin unser Markenzeichen. Wieder wurde der Wassersport in unserer Sektion mit dem Paddeln begonnen. Es kann nicht verwundern, da durch den II. Weltkrieg viele Boote Schaden erlitten hatten oder vernichtet wurden.
So ist ein Fall bekannt, wo ein Sportfreund sein Segelboot dem Zugriff der Alliierten durch Vergraben in einem Kiesloch entzog. Ein anderer Sportfreund soll sein Segelboot im Mönchsgraben versenkt und später wieder gehoben haben.
Nun galt es, die Ärmel aufzukrempeln und dem Wassersport wieder Geltung zu verschaffen.

Der Eigenbau von Booten wurde vorangetrieben. So bauten sich die Sportfreunde von Lok S-O die damals bekannten V-Jollen, welche eine Besegelung von 15 m² aufwiesen. Es waren recht schnelle Boote mit Gaffeltakelung. Zwei dieser V-Jollen fanden den Weg zum Sturmvogel.

Zwei Nummern größer begannen einige Sportfreunde den Bau von genieteten 20 m² Jollenkreuzern. Als Vorbild und Anregung für den Bau geschweißter Boote stand die Bootswerft in Brandenburg Pate. Auch wurden Jollen in anderen Vereinen durch Aufsetzen einer Planke und Kajüte vergrößert.

Auch unser Bootshaus wurde vom Arbeitseifer der Sportfreunde nicht verschont. So wurde es vorn durch eine Terrasse aus Beton und später hinten durch den Küchentrakt erweitert.
Nach dem Motto: "Wer feste arbeitet, soll auch feste feiern!" wurden mächtige Feten abgezogen. Hier kann man nur schlußfolgern: "Wenn das Bootshaus erzählen könnte!"

Bootshaus_Anbau

Da der Verein Sturmvogel sich bootsmäßig und dementsprechend auch personell vergrößerte, wurde zur Unterbringung aller Boote ein großer Schuppen notwendig. Eine Notunterkunft war damals die Kohlenstrecke und die Poliklinik am Klosterhof.

So wurde mit dem Bau unseres heute bestehenden großen Bootsschuppens begonnen. Um den Bau zu beschleunigen, nahmen viele Sportfreunde ihren Urlaub dazu. Durch diesen großen Einsatz und Fleiß konnte er 1961 seiner Bestimmung übergeben werden. Das Wasser für die Bauarbeiten kam durch Rohre mit Schnellanschluß von der damaligen Kohlenstrecke.
Es lag von Fahlberg-List ein Angebot vor, eine Wasser- und Dampfleitung zum Bootshaus zu legen. Die dazu notwendigen Schachtarbeiten hätten wiederum durch die Sportfreunde erfolgen müssen. Diese hatten von den ständigen Einsätzen nun aber die Nase voll.

SC Sturmvogel Richtfest Bootsschuppen

Zur damaligen Zeit befanden sich unterhalb des Schuppens, in der Elbbuhne der Schwimmsteg für die Boote.
Die Elbsegler kannten sich in der Stromelbe bis hinauf nach Pretzin und Breitenhagen mit den Buhnen, Stromschnellen und Brücken gut aus. Zur Unterquerung der Schönebecker Brücke beim Segeln wußte jeder Käpt'n ob er 15, 18 ½ oder mehr Steine am Brückenpfeiler ab Wasseroberfläche abzählen mußte.
Diese genauen Kenntnisse waren auch nötig, wurde doch damals um das "Blaue Band" der Elbe gesegelt.

Organisatorisch haben die Wassersportfreunde jeden Sommer, Mitte bis Ende der 50er Jahre, das "Meckerndorf"-Fest im Mönchsgraben gefeiert, welches jedes Jahr unter einem anderen Motto stand. Es war ein Fest, bei dem sich hauptsächlich Paddler, auch aus anderen Sportgemeinschaften Magdeburgs trafen und aussprachen. Eine Fahne mit Ziegenkopf als Symbol beweist das "Meckern". Bei diesem Fest gab es auch regelmäßig einen Bürgermeister und einen Pastor. Außerdem wurde ein Rathaus aus Holz und Pappe gebaut.
Irgendwann kam natürlich auch Neptun und taufte "seine" Kinder.
Vom Appelwerder kam ein Kneiper mit einem Kahn voller Bier, was das Fest im wahrsten Sinne zum "Überlaufen" brachte.
Leider fanden diese Zusammenkünfte nur bis zum Jahre 1958 statt, da die Wasserqualität sehr zu wünschen übrig ließ und einige Sportfreunde die brandenburgischen und märkischen Gewässer im Blick hatten.

Urkunde_Meckerndorf

Da, wie schon bekannt, viele Sportfreunde ihre Boote selber gebaut hatten und nicht den bei Regatten immer möglichen Crashs aussetzen wollten, beteiligten sie sich am Wandersegeln, dem sogenannten Fahrtenwettbewerb, der noch heute durchgeführt wird.

Inzwischen wurden die Kinder der Sportfreunde größer, es hatten viele auch ihre Liebe zum Segelsport entdeckt. Da in der DDR auch großen Wert auf die Ausbildung und Förderung des Nachwuchses gelegt wurde, begannen in unserer Sektion auch Mädchen und Jungen in der Kinderklasse, dem Optimisten zu segeln.
Die jungen Segler haben an vielen Regatten, auch auf der Ostsee, erfolgreich teilgenommen.

Bei den Internationalen Ostseeregatten war unser Verein durch fünf Sportfreunde als Schriftführer und Kampfrichter (Brigitte und Ernst Kasper, Rita und Rolf Osterwald, Frank Gebhardt) vertreten. Bei den olympischen Ausscheidungen beider deutscher Staaten 1964 wurde ein Vertreter der damaligen BSG Chemie als Kampfrichter (Ernst Kasper) berufen. Und dadurch wurde unser kleiner Verein auch international bekannt.

Ende der sechziger Jahre wurde unter unserem Bootsheim, welches ja auf Pfeilern ruht und unten herum also offen war, ausgeschachtet, eine ebene Betonfläche geschaffen und rundum zugemauert. So wurde wiederum eine zusätzliche Unterkunft für 5 Jollen geschaffen.

Bootshaus_Erweiterung

Bootshaus_Arbeiten

Das Vereins- und Seglerleben hatte sich inzwischen verändert. Der Schwimmsteg wurde bis auf ein Segelboot verkleinert, das Gros der Seglerfamilie war nach Brandenburg-Kirchmöser umgezogen und hatte dort in klarem Wasser und einem herrlichen Segelrevier sein zweites Zuhause gefunden. Die Fahrt der Sportfreunde nach Kirchmöser und zurück wurde durch die "Großzügigkeit" im DDR-Sport durch Stellung eines LKWs, später durch einen B1000 möglich. Getroffen zu den jeweiligen Fahrten haben sich die Sportfreunde in der Straße Am Krug, Ecke Kroppenstedter Straße. Später, als der "Wohlstand" ausbrach und viele Sportfreunde mit eigenem PKW fuhren, andere mit dem Personenzug, verblieben die Fahrten mit Betriebsautos.

In Kirchmöser störte unser Steg an der Badeanstalt bei der Durchführung der Kanu-Regatten den Heimverein Lok. Es wurde uns das Terrain zugewiesen, von wo wir noch heute unserem schönen Segelsport nachgehen können. Schöner Segelsport bedeutet auch das Segeln mit schönen und wasserdichten Booten. So hatten die Besitzer von Holzbooten immer mit "spacken" Planken ihre Probleme. Da aber nun das Zeitalter der Plaste angebrochen war, bezogen einige Sportfreunde ihre schon älteren Holzboote mit Harz und Glasseidengewebe oder Kunstharz und Matten. Unter den Nichteingeweihten geisterte daher der Ruf für diese Boote, mit einem Leichentuch zu fahren. Aber die Erfahrung, selber über 20 Jahre damit bei Sturm und Wellengang gesegelt zu sein, strafte dieser Ruf Lügen. Außer diesen selbst überzogenen Booten wurden superschnelle Jollenkreuzer ganz aus Plaste in Rathenow hergestellt, wirklich ein Konstruktionsboot der Extraklasse.

In unserem neu zugewiesenen Revier bauten wir 1981, unter großer Mithilfe der Angehörigen der Feuerwehr, welche die Rohre einspülten, mittels eines Schwimmsteges, den jetzt noch bestehenden festen Steg.

SC Sturmvogel Bau des neuen Steges

Jahrzehntelang konnten wir von Kirchmöser aus über die Havel aufwärts die herrlichen Gewässer bis über die Müritz zum Schweriner See sowie die Küsten- und Boddengewässer befahren.

Jetzt, nachdem sich die gewaltlose Vereinigung beider deutscher Staaten vollzogen hat, ergeben sich natürlich neue, nicht bekannte Ziele. Viele Segelfreunde nehmen dies zum Anlaß, diese neuen Gewässer zu befahren und dadurch kennenzulernen.
Einige Segler unseres SC Sturmvogel haben sich, außer der Binnensegelei, auch der Kreuzerabteilung angeschlossen und durchqueren nun auch die Ostsee nach Dänemark und Schweden.

Im letzten Jahr wurde anläßlich für die in diesem Jahr stattfindende 85 Jahrfeier nochmals eine Verschönerungskur unseres Sportgeländes an der Elbe durchgeführt. So wurde das Terrain durch Umzäunung abgegrenzt und Bootsheim, Bootshalle und die Grünflächen verschönert. Eine sicher schwer zu lösende Aufgabe steht uns noch bevor. Das Dach des Bootsschuppens …

In dieser Niederschrift sollten, soweit wie möglich, Personen nicht namentlich benannt werden, damit sich niemand auf den Schlips getreten fühlen kann. Es ist aber unbedingt erforderlich, zu erwähnen, daß Leitungsmitglieder und auch die Sportfreunde immer das Beste für den Verein getan haben, nun aber auch die Namen der Vereinsvorsitzenden der letzten Jahrzehnte genannt werden müssen.

Nach dem II. Weltkrieg waren es:

Rolf Gericke Alfred Lenski Ernst Kasper

 

(Niedergeschrieben im Jahr 1996)